Der Amazonas

Das Amazonasbecken ist 600 Millionen Jahre alt. Bevor der Amerikanische Kontinent sich vom afrikanischen abtrennte, floss das Wasser des Amazonas gegen Westen. Mit dem Auseinanderdriften der Kontinente und der Bildung der Anden hat der Amazonas seine Richtung geändert.
Vor zwei Millionen Jahren ist der Meeresspiegel des Ozeans gestiegen. Er verwandelte das Amazonasbecken in ein Binnenmeer, in dem Marine Sedimente absetzten. Die Anwesenheit von Delfinen und Rochen zeugen noch heute von jener atlantischen Fauna.

Dorfanlegestelle am Ucayali in Peru

Wenn die Astronauten in ihrer Raumfähre lautlos über den südamerikanischen Kontinent hinwegschweben, sehen sie den Amazonas im Sonnenlicht glitzern und funkeln.
Mit blossen Augen erkennen sie das silbrige Glitzern und Funkeln: den Amazonas die Heimat meiner Fische.
7`025 Kilometer ist er lang, von den schneebedeckten Gipfeln der Anden bis zu den Sumpfwäldern an der Atlantikküste im Osten. Die letzten tausenden Kilometer beträgt der Höhenunterschied nur noch 200m.
Er ist der mächtigste Strom dieser Erde, nicht nur wegen der Länge seines Laufs, sondern auch wegen der gewaltigen Wassermengen die er auf seinem langen Weg durch den Kontinent sammelt.
Das Volumen entspricht dem Hundertfachen des Rheins, bei Hochwasser schwillt seine Flut auf mehr als 280`000 Kubikmeter pro Sekunde an. Der Fluss überschwemmt eine Fläche von 6`859`000Km2.
Den nächst grössten Fluss der Erde, den Kongo, übertrifft der Amazonas um das Zweieinhalb- bis Fünffache, der Mississippi hätte sogar Zwölfmahl darin Platz.
Ein Fünftel des gesamten Süsswassers der Erde ergiesst sich durch sein Mündungsdelta.
In den Hauptstrom fliessen rund 1`100 grössere Flüsse, von denen 17 eine Länge von mehr als 1`600 Kilometer haben und ca. 100`000 kleinere Nebenflüsse. Sie entwässern ein Gebiet, das ca. 17 Mal so gross ist wie Deutschland.

Der Amazonas sprengt jede Vorstellung, die wir im Allgemeinen von einem Fluss haben. Er lässt sich nicht in ein Flussbett zwängen. In der Regenzeit überschwemmt er weite Gebiete. Das überschwemmte Gebiet ist ca. so gross wie Italien und Österreich zusammen.
Über eine Strecke von gut 2.000km ist der Hauptlauf durchschnittlich fünf Kilometer breit, aber bei Hochwasser zieht sich der Fluss auf bis zu 120km auseinander. Er ist so tief, durchschnittlich 30-40 stellenweise sogar 100m, dass ihn selbst Hochseeschiffe befahren können, normalerweise bis Manaus, bei Hochwasser bis nach Iquitos am Fuss der Anden in Peru.

Am Unterlauf des Amazonas hat die Ebbe und Flut des Atlantischen Ozeans Auswirkungen auf den Wasserstand.
Die Gezeiten sind ca. 800km landeinwärts spürbar. Die Wasserstandschwankungen können bis 5m betragen. Das heisst, dass es Stellen gibt, wo der Fluss täglich zwischen 0,5 bis 5m schwankt.

Das Klima des Amazonas ist tropisch. Aufgrund der Nähe zum Äquator fallen ausgiebige Niederschläge.

Die Regenzeit dauert nördlich des Äquators vom Mai bis Oktober und südlich von November bis April.
Während der Regenzeit wird ein Gebiet, das so gross ist wie Italien und Österreich zusammen,
überschwemmt.
Während dieser Zeit können bis zu 220`000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde,
eine Stelle, des Flusses durchfliesen.
An der Mündung zum Atlantischen Ozean ist er 100Km breit.


Typische Uferzone während der Trockenzeit im Amazonasgebiet mit „Amazonasgeier“
beim Suchen nach toten Fischen.


Peru


Das Volk der Uros lebt von und auf dem Titicacasee.
Die schwimmenden Inseln sind wie die Häuser und Boote aus
Tortora-Schilf gebunden.



Bis heute haben die Mauern des Inka-Tempels Coricancha in Cusco
allen Erdbeben standgehalten. Einst, so wird vermutet, waren die
Wände mit purem Silber überzogen. Die Mauer steht bei Cuzco in Peru

Machu Picchu im Hochland von Peru. Die Legendäre Stadt ist in einer
nahezu unüberwindbaren Bergwelt eingebetet.



Restwasser in der Trockenzeit am oberen Amazonas wo viele
Corydoras und andere Fische gefangen sind. Bei Hochwasser ist der Boden ca. 6m unter dem Wasserspiegel.

Hausbau auf einer Halbinsel in der Nähe von Pucallpa in Peru.
Es ist ein typisches Pfahlbauerhaus. In der Regenzeit ist das Haus nur
mit dem Schiff erreichbar, darum steht das Haus auf Stelzen.


Ein Hausboot in Brasilien
Auf dem Fischmarkt. Bilder: R. Salathe


Einer der meistgefangenen Speisefische im Amazonas.
Pseudoplatystoma fasciatum

Kolumbien


Indianer beim Kanubau in Kolumbien.
Bilder D.Haller.

Niedriger Wasserstand 2005
Im Jahr 2005 vielen die Regenfälle über Wochen aus. Sodass einige Flüsse ungewöhnlich wenig Wasser führten. In dieser Zeit starben sehr viele Tiere im und am Fluss. Damit die Hausboote, die normalerweise am Ufer des Flusses befestigt sind, nicht zerbrechen, müssen sie in die Mitte des Flusses gezogen werden.
In der Mitte des Flusses hat es am längsten Wasser gehabt und zugleich ist dort der Boden am flachsten.



Dann der ersehnte Regen. Weit oben im Tal hat es bereits geregnet. Bis das Wasser aber beim Hausboot ist, dauert es noch ca. 2 Wochen.


Bilder: R. Salathe

Diverse Rochen in verschiedenen Flüssen des Amazonasgebietes


Bilder: M.Böettner